Brasilien

In Brasilien investieren

“Brasilien ist das Land der Zukunft – und wird es immer bleiben.“

Jeder, der sich mit Brasilien beschäftigt, hatte schon mal diesen Witz gehört. Natürlich steckt auch viel Wahrheit darin. Brasilien ist eine starke Wirtschaft und die stärkste Macht im südlichen Amerika – aber trotzdem hat es Brasilien nicht geschafft, über den Status des Schwellenlandes hinwegzukommen.

Es gibt auch immer wieder Hoffnung, die sich auch in den verschiedenen Büchern über die Brasilianische Wirtschaft äußert: 

Dieses Buch und ähnliche Bücher sind auch sehr gut um sich einen Überblick über einige der führenden brasilianischen Firmen zu verschaffen! 

Brasilien im Überblick

Brasilien ist ein Schwellenland im besten Sinne: Es gibt starke Rohstoffabhängigkeit, aber gerade im Bereich Sao Paulo auch durchaus große eigene Industriebetriebe und ausländische Unternehmen, die dort ihre Fabriken haben. 

Brasilien ist mit 220 Millionen Einwohnern ein sehr großes Land – welches auch in vielen Bereichen autark sein kann. Das Land gehört auch zu den geografisch größten Ländern der Welt und ist auch von der Bevölkerungsstruktur in den jeweiligen Regionen sehr unterschiedlich. 

Die politisch gewollte Abschottung führt dazu, dass einige brasilianische Firmen hochprofitabel sein können. In vielen Branchen herrschen Oligopole. Im Land gibt es aber auch starke politische Einflussnahme und die politische Situation ist volatil. Zudem ist Brasilien ein sehr bürokratisches Land, was es oft schwierig macht, Branchen als Startup zu erobern.

Die brasilianische Börse

Die wichtigsten Unternehmen Brasiliens sind an der Börse in Sao Paulo notiert. Diese Börse ist auch selbst an der Börse notiert und heißt B3. Der Börsenbetreiber hat eine Marktkapitalisierung von nur ca. 2 Milliarden USD. 

An der Börse sind nur etwa 400 Unternehmen gelistet. Die gesamte Marktkapitalisierung liegt bei ca. 1 Billion Dollar. Es dominieren also die Großfirmen, während wenige Microcap- und Mittelstandsunternehmen börsennotiert sind. 

Neben den brasilianischen Firmen, die ihren Hauptsitz oft in Rio oder Sao Paulo haben, gibt es einige Firmen, die Brasilien als Hauptmarkt haben und an der NYSE (Nubank, Cosan, Pagseguro) oder NASDAQ (StoneCo) gelistet sind. 

Handelszeit ist von 10 Uhr morgens bis 5 Uhr 30 nachmittags – Sao Paulo Zeit. Es gelten brasilianische Feiertage, die von der Börse bekanntgegeben werden. 

Bovespa – der Brasilienindex

Etwa 90 brasilianische Unternehmen sind Teil des Bovespa Index. Dieser Index, bzw. Diese knapp über 90 Unternehmen repräsentieren allerdings ca. 90% der gesamten Marktkapitalisierung des Marktes in Brasilien. 

Im Jahr 2022 steht der Index nahe am Rekordhoch, wie man hier im 5 Jahreschart sehen kann:

Quelle: Tradingview 

Dies ist allerdings auch der Tatsache hoher Inflation in Brasilien geschuldet. Bei EWZ sieht die Lage schon anders aus:

EWZ – führender Brasilien ETF

EWZ ist der Ticker für den am meisten gehandelten und beachteten ETF auf brasilianische Unternehmen. Der Index hat ein Schwergewicht in drei Bereichen: Rohstofffirmen, Banken und Konsumgüterfirmen. Bei den Rohstofffirmen dominiert Vale und Petrobras, bei den Banken Itau und Bradesco und bei den Konsumgüterfirmen zum Beispiel Bieraktien wie Ambev.

Die Kostenquote des ETF liegt bei ca. 0,57% und die Marktkapitalisierung bei 5 Milliarden USD. Der ETF wird in USD gehandelt und daraus resultiert, dass der ETF Preis weit entfernt ist von den Höchstkursen, während der Bovespo, der in Reais notiert, nahe am Allzeithoch steht. 

EWZ wird stark gehandelt und gehört zu den liquidesten weltweiten Länderindizes. Er wurde schon vor 20 Jahren von Blackrock aufgelegt und es gibt auch einen liquiden Optionsmarkt auf diesen Index.

Chartanalyse: EWZ

Quelle: Tradingview 

Der EWZ hat ein sehr langfristiges Chartpattern: Eine zulaufende Dreiecksformation, die wir bis in 2003 (Unterseite) bzw. 2008 (Oberseite) zurückverfolgen können. Dieses Dreieck läuft in den nächsten Monaten zusammen und wir können hier in den nächsten Wochen eine eher geringere Volatilität und danach eine eher höhere Volatilität erwarten. Viel hängt auch von brasilianischer Politik ab, in welche Richtung sich diese angestaute Energie entlädt.

EWZS – ein smallcap Index

Wie oben beschrieben gibt es wenige Smallcaps an der Börse in Brasilien. Es gibt einen ETF auf brasilianische Smallcaps. Ob diese gute Investitionen sein können, muss sich erst zeigen. Viele wichtige Firmen in diesem Bereich sind eben nicht börsengelistet, sondern in der Hand der wichtigsten und mächtigsten brasilianischen Familien.

Interessante Unternehmen in Brasilien

In Brasilien sind vor allem Unternehmen aus dem Bereich Agrar und Rohstoffe interessant. Diese Unternehmen sind gleichzeitig besonders zyklisch und oft dauern diese Zyklen mehrere Jahre. Es könnte sich also lohnen Unternehmen im Rohstoffbereich zu kaufen, nachdem die Kurse jahrelang abgenommen haben und obwohl oder weil die kurzfristigen Indikatoren wie KGV teuer aussehen. Also typisches investieren in zyklische Rohstoffwerte. Auch die brasilianische Währung folgt diesem Zyklus: Steigende Rohstoffpreise führen zu einer starken Währung und dies hilft auch Dollarinvestoren sehr viel Geld mit brasilianische Banken zu verdienen. Zum Beispiel 2002 bis 2007 konnten Dollarinvestoren ihre Investitionen in brasilianische Banken verzehnfachen. 

Zudem zahlen brasilianische Unternehmen oft hohe Dividenden!

Hier eine Liste interessanter Unternehmen und die Links zu den Analysen: 

Rohstoffaktien

Petrobras

Cosan

Vale

Bankaktien

Itau

Bradesco

Fintech

StoneCo

Nubank

Konsumaktien

Ambev

Marxen Brothers in Brasilien

Ich, Philipp, habe unter anderem in Brasilien studiert und dort in einem Hedge Fonds gearbeitet. Dabei habe ich viele sehr schöne Momente erlebt und nette Menschen kennenlernen können. Neben der einzigartigen Natur und Kultur des Landes.

Und ich bin glücklicherweise ein paar Tage nach Semesterbeginn in Brasilien angekommen. Andere hatten weniger Glück und berichteten mir, dass sie gesehen haben, wie Polizisten durch die PCC auf offener Straße erschossen wurden und Hunderte von Bussen brannten. Als ich in Brasilien war, blieb es ruhig, aber es ist klar, dass es wie viele andere lateinamerikanische Länder ein Land ist, dass durch Gewalt und Kriminalität beeinflusst ist. Mittlerweile ist die PCC die führende kriminelle Vereinigung im Süden Amerikas und ähnlich bedeutend wie Mexikanische Kartelle.

Aber nochmal zu den positiven Seiten: Brasilien ist zwar kein Einwanderungsland mehr, hatte aber Einwanderer aus der ganzen Welt vor 100 Jahren aufgenommen. Daher gibt es eher keinen “typischen” Brasilianer und ich werde im Süden Brasiliens für einen Brasilianer gehalten. Meine Kommilitonen und meine Arbeitskollegen hatten neben portugiesischen Namen auch oft jiddische, deutsche und japanische; seltener auch koreanische, chinesische und libanesische Nachnamen.