Kennzahlen für die Bankenanalyse

Kennzahlen für die Bankenanalyse

In diesem Artikel stelle ich einige Kennzahlen für die Analyse von Banken vor. In der Vergangenheit habe ich aber oft gesehen, dass auf den ersten Blick “günstig” scheinende Banken doch viel größere Probleme hatten und manche Banken in einer Transformation erst Jahre später die Früchte dieser Arbeit ernten konnten. Diese Interpretation ist hier kurz angesprochen, aber wird nicht weiter vertieft. 

Zuletzt noch der Hinweis: Dieser Artikel wird über die Monate vertieft und erweitert und natürlich ist dies keine Investmentberatung.

ROE

Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) ist eine der wichtigsten Zahlen für Banken. Dabei wird das gesamte bilanzielle Eigenkapital hier eingerechnet. Herausforderung ist, dass Banken mit niedrigerer Eigenkapitalquote hier höhere Werte erreichen, aber ggf. auch mehr Risiko eingehen. 

Ein besonders positive Beispiel ist hier die USBank, welche über viele Jahre hohe Eigenkapitalrenditen aufweist. 

ROTE

Die Return on Tangible Equity ist eine Vertiefung für Banken. Dabei wird goodwill abgezogen. Bei Banken, die nur organisch wachsen, sollten ROTE und ROE gleich sein, Banken, die in den letzten Jahren einige Übernahmen getätigt haben, haben dagegen einen höheren ROTE als ROE. Bei beiden sind Werte um 10% gut. Wichtiger ist allerdings, dass dies relativ verlässlich anfällt. 

ROAE 

Daher kommen wir zur nächsten Kennzahl. Return on Average Equity um Schwankungen etwas rauszunehmen. Insbesondere wird es dann sinnvoll, wenn sich die Werte über viele Jahre reingeschaut wird und die kleinste Varianz dann genommen wird um ROE zu bewerten. 

ROA

Return on Assets stellt dagegen auf das oben angesprochene Problem ab, dass eine Bank ja sehr wenig Eigenkapital haben könnte und dann automatisch höhere Renditen darauf erwirtschaften würde. Daher macht es Sinn, noch einen Blick auf die Return on Assets zu werfen. Hier sind Werte um 1% gut. Bei den Regionalbanken in den USA ist zum Beispiel die texanische Frostbank sehr gut:

Spezialbanken können allerdings auch deutlich höhere Werte erreichen. American Express ist hier ein gutes Beispiel für ein Kreditkartennetzwerk welches auch Kredite vergibt und sehr hohe Returns on Asset generiert. 

Inflation-adjusted ROA und ROE

Die Frage ist auch, wie stark sich Inflation auf die Ergebnisse auswirkt. Man kann also die Inflationsrate mit den Renditen vergleichen. Insbesondere im 5 oder 10 Jahresperioden macht dies viel Sinn. In Europa gab es 2010 bis 2020 sehr wenig Inflation, insbesondere in Südeuropa praktisch keine Inflation. Die erreichten Werte dort sind also besser als in Indonesien mit höherer Inflation in dieser Periode. 

Cost-Income Ratio

Wie diese Renditen erwirtschaftet werden, hängt nicht zuletzt auch von den Kosten einer Bank ab. Diese werden dann im Verhältnis zu den Nettoerlösen gesetzt. Cost-Income Ratios unter 70% zählen als akzeptabel. Unter 50% als sehr gut. Allerdings ist auch hier Vorsicht angebracht. So könnte die Bank nicht ordentlich arbeiten, einfach viele Kunden ohne Prüfung akzeptieren und so eine sehr gute CIR erreichen. 

Sehr gute Cost/Income Ratios mit trotzdem niedrigen Ausfällen erreichen zum Beispiel die LHV Bank und die Hingham Savings. Hier ein Text eines LHV Bank Berichtes: 

Provision und Kreditausfälle

Wie viele Abschreibungen und Kreditausfälle hat die Bank über die Konjunkturperiode hinweg? Zwar kann man allgemein sagen, dass 98% der Kredite nicht ausfallen sollten und die 2% ausgefallenen Kredite sollten nicht dazu führen, dass mehr als 1% endgültig abgeschrieben werden muss. Aber auch hier kommt es auf die Bank an. Bei Kreditkartenbanken, die schwächere Kunden adressieren, wäre dies eine sehr gute Quote (also für Capital One zum Beispiel). Bei Banken, die sehr konservativ Immobiliendarlehen ausgeben, wäre dies eine Katastrophe (bei Hingham will ich keine so hohen Ausfälle sehen). 

Hoch sind die Ausfälle zum Beispiel bei dem Fintech Nubank. Dieses ist vor allem in Brasilien tätig (aber auch in Kolumbien und Mexiko): 

Nubank Q3 2022 Bericht

Link zur Analyse der Nubank.

Net Interest Income % – Nettozinsmarge

Wie hoch sind die Nettozinsen? Also die Zinsen der ausgegebenen Kredite minus die Zinsausgaben der Bank? Wenn wir die Nettozinseinnahmen nun im Verhältnis zu den Asset setzen, dann ergibt sich eine Nettozinsmarge. 

Achtung: Auch hier gilt nicht automatisch, dass eine Bank mit höheren Zinsmargen gleich besser ist. Sie hat aber mehr Spielraum, Verluste aufzufangen. Banken, die niedrigere Zinsmargen haben, sollten also bessere Kunden haben. 

Hier eine Liste von Bankregdata über die Nettozinsmargen der größten US Banken: 

Gleich auf den ersten Blick: Die Nettozinsmarge bei Capital One ist besonders hoch. Kein Wunder, da man eher schlechtere Kreditkartenkunden hat und höhere Zinsmargen braucht um auch höhere Ausfälle abzufangen.

Niedrige Refinanzierungskosten 

Eindeutig positiv ist es, wenn eine Bank niedrige Refinanzierungskosten oder Zinskosten hat. Auch hier wieder im Vergleich zum Portfolio oder im Vergleich zu den gesamten Assets. In den USA hat zum Beispiel die Bank of America sehr niedrige Refinanzierungskosten. Aber auch hier Achtung: Die Refinanzierungskosten sind unterschiedlich in unterschiedlichen Ländern. Die Citibank hat natürlich höhere Refinanzierungskosten als die Bank of America, da die Citigroup in viel mehr Ländern mit höheren Zinsen tätig ist. 

Hier möchte ich mal auf eine selten besprochene Bank verweisen: Glacier Bank. Diese Bank ist in ihrem Gebiet führend und hat von allen Banken in den USA fast die niedrigsten Zinskosten.

Glacier Bank: ca. 0,11% Zinskosten! 

Niedrige Refinanzierungskosten + Kundenbetreuung

Ein weiteres Problem ist, dass es sein könnte, dass die niedrigen Zinskosten vielleicht teuer gekauft wurde. Die ING in Deutschland hat oft mit hohen Tagesgeldzinsen geworben. Ihre Zinskosten lagen also oft höher als die von Volksbanken und Sparkassen in Deutschland. Andererseits hatten diese ein enges Filialnetz und viele Mitarbeiter, während die ING vor allem online arbeitete. Oft werden daher Kosten für Immobilien (Mieten etc.) und ggf. Für Kundenbetreuer zu den Refinanzierungskosten addiert, um Digitalbanken und Filialbanken besser vergleichen zu können.

Kreditwachstum

Ein Kreditwachstum einer Volkswirtschaft welches über dem nominellen Wachstum dieser Volkswirtschaft liegt, zeigt, dass die Verschuldung anteilig steigt. Dauerhaft kann dies nicht gut gehen, aber für Jahre oder Jahrzehnte können Banken in solch einer Konstellation hohe Gewinne machen. Bei der Betrachtung der Profitabilität sollte zu starkes Wachstum insbesondere bei großen, nicht spezialisierten Banken und bei Banken mit hohen Zinsmargen eher als etwas Negatives gesehen werden. Banken, die niedrige Zinsen haben, langsam wachsen, sehr selektiv bei der Kundenauswahl sind und trotzdem hohe Gewinne generieren, sind oft die besseren Banken für Investoren. 

Schnelles Kreditwachstum: China Merchant Bank

Quelle: Tikr

Langsames bzw. kein Kreditwachstum: BBVA 

Quelle: Tikr

Wettbewerbssituation

Gerade in Deutschland herrscht oft ein starker Wettbewerb zwischen Banken. Überall haben Volksbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen ein gutes Filialnetz, aber auch Deutsche Bank und Commerzbank und andere sind in der Fläche vertreten. Dazu kommen noch eine Reihe von Digitalbanken. Der Wettbewerb insbesondere in den 90er Jahren in Deutschland war sehr hart zwischen den Banken. Anders in Ländern, wo 3-4 Banken den Markt dominieren, wie in den nordischen Ländern Europas oder den Niederlanden. In solchen Ländern können die existierenden Banken oft große Gewinne machen. Die Wettbewerbssituation muss man aber immer lokal betrachten. Ja, in Spanien dominieren drei Banken (Caixabank, BBVA und Santander) aber nicht in allen Gegenden sind sie gleichermaßen vertreten. Gute Diskussionsgrundlage für die Filialnetze von spanischen Banken gibt es hier bei SPGI.

 Noch stärker ist dies der Fall in den USA, wo es lokal durchaus Oligopole gibt. Ja, in Florida, Texas oder Kalifornien gibt es viele Banken, aber in Montana, Hawaii oder ländlichen Gebieten der Great Plains gibt es oft lokale Oligopole wo 2-4 Banken den Markt beherrschen und der Wettbewerb dadurch eher gering ist. 

Eine Kurzvorstellung der aus meiner Sicht besten Banken der Welt in den USA und außerhalb der USA gibt es hier auf dem Link.

Aktienrückkäufe

Aktienrückkäufe bei fairer Bewertung über viele Jahre sind eine weitere gute Kennzahl für Banken. Dabei geht es darum, Fehlannahmen zu vermeiden, insbesondere wenn es hohe SBC gibt. Eine Diskussion über SBC und Aktienrückkäufe gibt es hier. 

Ein Negativbeispiel war die Deutsche Bank, die 2007 sehr viele eigene Aktien zu hohen Bewertungen (Kurs-Buchwert über 2) zurückgekauft hat und später wieder Kapital aufbauen musste. Ein gutes Beispiel dagegen ist die Citigroup in den Jahren 2015 bis 2022, die sehr kontinuierlich und diszipliniert eigene Aktien zu niedrigen Kurs-Buchwertverhältnissen zurückgekauft hatte. 

Bei großzügiger Managementvergütung ist Nubank im Finanzbereich ein eher fragwürdiges Beispiel. 

Free Cashflow für Banken

Free Cashflow Betrachtungen machen für Banken aus meiner Sicht keinen Sinn. Eine Diskussion über Free Cashflow gibt er hier bei Marxen Brothers. Es gibt allerdings auch Personen, die dies anders sehen und dazu Bücher publiziert haben. 

CAC und LTV

Keine traditionelle Bank nutzt Customer Acquisition Costs und Lifetime Value. In der Analyse der Nubank Aktie könnten diese Bewertungsmaßstäbe Sinn machen. Zumindest ist es intern für die Nubank ein wichtiger Maßstab. Ein starker Fokus auf CAC und LTV bedeutet allerdings, dass die Profitabilität eigentlich höher ist, als in der Wachstumsphase gezeigt. Bei Banken ist das Problem eher, dass während das Bankensystem immer mehr neue Kredite ausgibt, gibt es kaum Probleme. Größere Kreditprobleme treten oft erst auf, wenn die Kreditnachfrage zurückgeht und die Kreditbedingungen viel strenger werden. Ob CAC und LTV für Nubank und andere Banken mehr Sinn macht als traditionelle Ansätze muss sich noch beweisen.