Market Timing

Market Timing: Eine Spekulation gegen den Markt

Was ist Market Timing? 

Market Timing ist der Versuch von Investoren, zukünftige große Marktbewegungen vorweg zu ahnen und sich dementsprechend zu positionieren. Am einfachsten könnte man dies über die Wahl zwischen den beiden Zuständen 100% Cash oder 100% ETF abdecken und der Wechsel erfolgt entweder über eine quantifizierbare Regel oder über “ein Bauchgefühl”. 

Die Möglichkeiten für Market Timing gehen natürlich deutlich über die Wahl zwischen “Investiert sein” und “nicht investiert sein” hinaus. So könnte es Abstufungen geben oder sogar mit Leverage mehr als 100% investiert werden. Über Optionen können nochmal sehr kurzfristige “Wetten” auf Marktbewegungen eingegangen werden. 

Ein Verständnis von Market Timing gehört zu den Grundlagen bei Finanzbildung.

Ist Market Timing möglich? Eine Twitter-Debatte

Empfehlung:  Andy, Andrease Steno Larsen, Memyselfandi und Marxenbrothers auf Twitter folgen! 

Hier geht es zu den berühmten Bumsbuden Portfolio von Memyselfandi007 (Twitter Link)

Wie sinnvoll ist Market Timing? 

Die meisten Aktienmärkte bewegen sich über den langfristigen Durchschnitt nach oben. Diese Aufwärtsbewegung findet zudem in den meisten Perioden statt, unterbrochen von kurzen Perioden, wo die Märkte fallen. Das Verhältnis von steigenden und fallenden Märkten liegt in verschiedenen Märkten oft bei 7 zu 3. In wenigen Fällen kommt es sogar zu stark fallenden Märkten, wo mehr als 20% von den letzten Hochs abgegeben wird. Es wird gesagt, dass Märkte wie eine Rolltreppe nach oben fahren und wie ein Fahrstuhl sinken. Dieses Zitat soll die viel schnellere Sinkgeschwindigkeit in Crashs verdeutlichen. 

Wer also die meiste Zeit investiert ist, die kurzen Crashphasen allerdings aussitzen kann, der hat die Möglichkeit eine deutliche Überrendite zu erwirtschaften. Aus diesem Blickwinkel wäre es sinnvoll, falls es einfach möglich wäre. Allerdings schaffen nur sehr wenige Anleger dies und daher sprechen viele Anleger davon, dass Market Timing nicht möglich ist (wie im oben angeführten Beispiel vorgegeben).

Marxen Brothers Market Timing

Im Jahre 2007-2008 habe ich (Philipp) vor einem Crash gewarnt, der durch das Platzen der Blase an US Immobilienmärkten ausgehen wird. Anfang 2009 habe ich mich dann sehr positiv über Investitionen in Aktienmärkte geäußert, als Dirk Müller und Marc Friedrich in den Medien vor Aktien gewarnt haben.

Ab Januar 2020 haben wir (Henning und Philipp) in vielen Videos vor einem Crash der Märkte durch Corona gewarnt, der dann im März auch eintrat. Ab April 2020 dann wieder Videos mit “langsamer Wiedereinstieg in die Märkte” publiziert. 

Eine nächste Warnung gab es in meinem Video Anfang 2022. Eine Zwischenboden habe ich bei einem SPY Stand von 340 gesehen, von wo der SPY dann die schnellste Rally seit Jahrzehnten startete.

War dies Zufall? Basierte es auf besserer Analyse? 


Fakt ist, dass diese Videos und Performance in der Vergangenheit liegen und mit jedem Trade man sich neu beweisen muss. Und es ist auch nicht immer gegeben, dass Analysekorrektheit und Tradingerfolg bei einander liegen – auch dies kann unterschiedlich sein. 


Market Timing mathematisch analysiert

Gehen wir nun davon aus, dass es nur 2 Möglichkeiten gibt: Investieren und nicht investieren. Wenn man investiert ist, dann können wir schätzen, dass es 7% Rendite im Durchschnitt im Jahr gibt. Also ca. 97% Rendite in 10 Jahren und ca. 0,57% Rendite im Monat. 

Szenario 1: 2 Monate in 10 Jahren nicht investiert

In diesem Szenario fehlen also ca. 1,2% Rendite durch diese zwei Monate. Fallen diese 2 Monate am Ende der 120 Monate Periode an, so entsteht eine Gesamtrendite von 95,8% anstelle von 97%. Insgesamt ist der Einfluss gering.

Szenario 2: 5 Jahre in 10 Jahren nicht investiert 

In diesem Szenario ist man die Hälfte der Zeit investiert und die andere Hälfte der Zeit nicht investiert. Wieder einfache Berechnung: 5 Jahre investiert zu 7%, danach nicht mehr investiert. Es bleiben ca. 40% Rendite über die 10 Jahre im Vergleich zu 97% Rendite. Also weniger als die Hälfte. 

Zwischenfazit: Wenn man die meiste Zeit investiert ist, dann machen die “Kosten” des nicht investiert sein wenig aus. Wenn dies aber viele Monate oder sogar Jahre ausmacht, dann wird es schwierig die fehlende Rendite wieder einzuholen. 

Verfeinerung: Relevant ist natürlich auch, ob Zinsen für den nicht investierten Zeitraum für die Cashreserven anfallen und wie hoch diese liegen. In den letzten 10 Jahren gab es in manchen Zeiträumen Jahreszinsen von 4%, zu anderen Zeiträumen von 0%. Bei höheren Zinsen für die Cashreserven wird die Differenz also nochmal geringer. Trotzdem bleibt es dabei, dass es wahrscheinlich nur dann sinnvoll ist, wenn die Zeiträume des nicht investiert seins relativ begrenzt sind, egal ob dies vielleicht 2 Monate oder 12 Monate beträgt. Rechnen wir nun mal mit 12 Monaten und Zinsen von 2% und dies am Ende der 10 Jahresperiode. Also 9 Jahre zu 7% und das letzte Jahr dann zu 2%. Es kommt dann ca. 87,5% raus im Vergleich zu 97% Rendite also durchaus deutlich niedriger.

Die eigenen Fähigkeiten des Market Timing sollten also nun einen deutlichen Unterschied machen. Wenn in dem nicht investierten Jahr weniger als 2% Marktrendite entstehen, wäre es wohl sinnvoll gewesen, nicht investiert zu sein. Die Frage ist also vor allem, wie man solche Zeiträume relativ verlässlich findet. 

Welche Market Timing Modelle und Ansätze gibt es? 

Gebert Indikator

Der Gebert Indikator wurde in den 90er Jahren entwickelt und bezieht sich auf den Dax. Dabei gibt es nur zwei Zustände: “Investiert” oder “nicht investiert” anhand von 4 einfachen Kriterien, die jeweils 1 oder 0 Punkte geben. Bei 3 oder 4 Punkten investiert man. Bei 0 oder 1 Punkt ist man nicht investiert und bei 2 Punkten bleibt man so, wie vorher. 

Die Kriterien sind Jahreszeit, Inflation, Zinsen, Wechselkurs. 

Marxen Market Timing Model

Bei meinem Modell ist vor allem die inverse Zinskurve entscheidend. Ab der Invertierung wird jeden Monat das Exposure um 10% zurückgefahren, bis es bei 50% angelangt ist. Dann wird es nach einem Fall von 20% des Hochs oder nach 12 Monaten wieder um 10% pro Monat erhöht. 

Achtung: Ich folge dem Marxen Market Timing Model nicht 1 zu 1. Meine Performance wäre allerdings noch etwas besser, wenn ich die Kriterien und Handlungsanweisungen stringent umsetzen würde. 

Risk On Risk Off RORO Michael Gayed

Michael Gayed schaut sich vor allem die Entwicklung der Relation von Gold und Holzpreisen an. Holz ist ein Frühindikator für den Hausbau und Gold ist zusätzlich ein Indikator für Flucht und Krise. Eine eindeutige Entwicklung dabei kann auf einen kommenden Crash hindeuten.